Einführung
Theoretische Grundlagen für die Kalibrierung
Punktzuwachs bei der Tonwertwiedergabe
Der Punktzuwachs bei der Tonwertwiedergabe macht die Prozesskalibrierung und ggf. die Linearisierung erforderlich. Der Punktzuwachs kann positiv und negativ sein.
Die Tonwertwiedergabe läuft in mehreren Schritten ab, siehe nachfolgendes Bild:

1. Sie starten z. B. mit einem PDF-Auftrag. In dem Auftrag ist jedem Grauwert eines Farbauszugs ein Halbtonprozentwert zwischen 0 und 100 zugeordnet, der einem Rasterpunkt einer bestimmten Größe entspricht.
Hinweis: Copydot-Daten werden von dieser Beschreibung ausgenommen, da Copydot-Daten nicht vom Calibration Manager kalibriert werden können. 2. Die PDF-Datei wird dann durch die Rasterung des Raster Image Processors (RIP) in eine Bitmap umgewandelt. Der RIP konvertiert die Datei, indem er die in der PDF-Datei festgelegten Prozentwerte liest und ein Punkt-Raster erzeugt, wobei jeder Punkt einen Prozentwert hat. So bedeutet z.B. 50%, dass 50% der Rasterzelle vom Rasterpunkt bedeckt sind.

3. Die Bitmap wird dann auf Film, Platte oder Proofmaterial ausgegeben. In diesem Stadium wird jeder Rasterpunkt von Laserpunkten auf der Platte belichtet. Ein Rasterpunkt setzt sich also aus mehreren Laserpunkten zusammen, ist also in sich wieder gerastert.
Wenn Sie mit CtF (Computer to Film), also nicht mit CtP (Computer to Plate) arbeiten, wird die Bitmap zunächst auf Film belichtet. Dieser Film wird dann auf die Druckplatte kopiert.
4. In der Druckmaschine wird dann das Rasterbild von der Druckplatte auf den Druckbogen übertragen.
Wodurch kommt der Punktzuwachs zustande?
Es gibt zwei Arten von Punktzuwachs:
• den prozessbedingten Punktzuwachs:
Bei der Übertragung eines Rasterpunktes vom Film über Platte und Gummituch auf den Bedruckstoff kann sich die geometrische Rasterpunktgröße und damit der Rastertonwert durch verschiedene Einflüsse verändern.
• den optischen Punktzuwachs. Siehe Abschnitt "Optischer Punktzuwachs".
Der wahrnehmbare Farbton auf dem Druckbogen, die sogenannte tatsächliche Flächendeckung, kommt sowohl durch den prozessbedingten als auch den optischen Punktzuwachs zustande.
Der Punktzuwachs ist die absolute, nicht die relative Zunahme der Flächendeckung. Wenn z. B. ein 50%iger Farbton in der Vorlage eine tatsächliche Flächendeckung von 67% auf dem Druckbogen erzeugt, beträgt der Gesamtzuwachs 17%.
Prozessbedingter Punktzuwachs
Der prozessbedingte Punktzuwachs bezieht sich auf eine Veränderung der geometrischen Punktgröße während eines Prozessschrittes. Veränderungen der geometrischen Punktgröße können an drei Stellen im Prozess auftreten:
• bei der Belichtung und Entwicklung des Films bzw. der Platte
• bei der Kontaktbelichtung und Entwicklung der Platte in einem Filmlauf
• beim Drucken auf der Druckmaschine
Während der Belichtung auf Platte (entweder direkt oder vom Film) kann es zu einer geringfügigen Veränderung der Punktgröße kommen. Normalerweise führt die Kontaktbelichtung eines Negativfilms zu einer Tonwerterhöhung und die Kontaktbelichtung eines Positivfilms zu einer Tonwertreduzierung.
Auf der Druckmaschine kommt es zu einer Tonwertänderung während der Übertragung von der Platte über das Gummituch auf den Bedruckstoff. Einflüsse haben dabei Druckfarbe, Papier, Gummituch und Druckplatte. Z. B. kann zuviel Farbe aufgetragen sein oder der Bedruckstoff nimmt die Farbe nicht gut auf. Dann wird die Farbe auseinandergedrückt, so dass sich die geometrische Punktgröße vergrößert.

Die obige Abbildung zeigt typische Veränderungen des Tonwertes. In diesem Beispiel beträgt der Gesamtpunktzuwachs (vom PDF-Farbton zum Ausgabefarbton des Druckbogens) 15% und die tatsächliche Flächendeckung auf dem Druckbogen 65% (ausgehend von einem 50%igen PDF-Farbton).
Optischer Punktzuwachs
Beim optischen Punktzuwachs handelt es sich um die Lichtmenge, die von einem Punkt, zusätzlich zu der physikalischen Punktgröße, aufgenommen wird. Diese Vergrößerung tritt auf, weil Streulicht teilweise absorbiert wird. Die Absorption dieses gestreuten Lichts lässt die Punkte größer erscheinen, als sie tatsächlich sind.
Unter einem Mikroskop entspricht die physikalische Punktgröße direkt dem Bitmap-Farbtonprozentwert plus dem physikalischen Punktzuwachs. Bei Betrachtung mit bloßem Auge (bzw. bei Messung mit einem Densitometer) scheint die Lichtmenge einer Flächendeckung zu entsprechen, die größer als der physikalische Punkt ist. Der gesamte lichtabsorbierende Effekt des Punktes wird in der Regel als tatsächlich wirksame Flächendeckung bezeichnet.
