Multiprozesskurvensätze
Begriffsbestimmung für Prozesswert und Prozesskurven siehe "Prozesswert" ("Prozess%").
Weshalb Multiprozesskurvensätze?
Durch den Einsatz von Multiprozesskurvensätzen werden folgende Anforderungen erfüllt:
• Reduzierung der Anzahl der ImpositionOutput-Sequenzen. Der für einen Auftrag verwendete Prozesskurvensatz kann automatisch anhand der Bedruckstoffsorte (gestrichen, ungestrichen) ausgewählt werden. Unter bestimmten Bedingungen müssen Sie nicht eigens für jede Bedruckstoffsorte eine ImpositionOutput-Sequenz definieren.
• Das Mischen von AM- und FM-Rastersystemen in einem Auftrag im Rahmen der objektspezifischen Rasterung wird vereinfacht. Für AM- und FM-Raster werden typischerweise unterschiedliche Prozesskurven benötigt (siehe visueller Punktverlust). Durch Multiprozesskurvensätze ist eine automatische Auswahl des Prozesskurvensatzes anhand des Typs des gerade verwendeten objektspezifischen Rasters möglich.
Problem des visuellen Punktverlusts: In der Praxis kann man für (grobe) AM- und (feine) FM-Raster häufig nicht die gleichen Prozesskurven verwenden. Bei gleichen Punktzuwächsen weisen AM- und FM-Raster aufgrund der unterschiedlichen Feinheit einen unterschiedlichen visuellen Eindruck auf.
Wenn man für FM-Raster die gleichen Punktzuwächse wie für AM-Raster zugrunde legt, liefern die FM-Raster-Objekte einen unbefriedigenden, kontrastärmeren Eindruck (siehe auch nachfolgendes Bild). Für FM-Raster verwendet man in der Praxis deshalb häufig höhere Zielkurven, d. h. der Punktzuwachs wird im Mittelton angehoben.
Was ist ein Multiprozesskurvensatz?
Prozesskurvensatz
Explizit sind einem Prozesskurvensatz keine Eigenschaften zugeordnet wie z. B. Bedruckstoffsorte oder Rastersystem. Dennoch sind die Prozesskurven unter Berücksichtigung bestimmter Eigenschaften eines Druckprozesses erstellt worden und lassen sich insofern anhand dieser Eigenschaften gruppieren. Bei einem normalen Prozesskurvensatz spiegeln sich diese Eigenschaften i. d. R. in der Wahl seines Namens wider, indem der Name z. B. eine Bedruckstoffsorte enthält.
Multiprozesskurvensatz
Ein Multiprozesskurvensatz umfasst eine oder mehrere sogenannte Regeln. Jede Regel ordnet bestimmten Parametern (Rastertyp, Rasterfeinheit, Bedruckstoffsorte) einen Prozesskurvensatz zu. Anhand der Regel wird ein Prozesskurvensatz innerhalb des Multiprozesskurvensatzes ausgewählt. Anders gesagt ist ein Multiprozesskurvensatz eine Menge von Prozesskurvensätzen, denen explizit (und nicht nur über ihre Namen) Eigenschaften zugeordnet sind.
Diese Eigenschaften, d. h. Parameter in einer Regel sind:
• Der Typ des Rastersystems: Sie können auswählen, ob der Prozesskurvensatz für alle AM-Rastersysteme oder alle FM-Rastersysteme oder für jedes Rastersystem verwendet werden soll.
• Die Frequenz bzw. Punktgröße: Für die Auswahl "AM-Rastersysteme" können Sie die Frequenz genau spezifizieren. Für die Auswahl "FM-Rastersysteme" können Sie die Punktgröße genau spezifizieren.
• Die Bedruckstoffsorte: Sie können auswählen, ob der Prozesskurvensatz für einen spezifischen oder jeden Bedruckstoff verwendet werden soll.
Zunächst wird ein Multiprozesskurvensatz wie ein Container angelegt. Danach fügen Sie Regeln hinzu, die den oben genannten Parametern vorhandene Prozesskurvensätze zuordnen. Jede Regel bildet einen Eintrag im Multiprozesskurvensatz.
Der Name eines Multiprozesskurvensatzes ist frei wählbar bis auf die Einschränkung, dass automatisch immer ein "MP: " vorangestellt wird. Alle Prozesskurvensätze in einem Multiprozesskurvensatz werden über diesen einen Namen referenziert!
In den nachfolgenden Bildern sind zwei Multiprozesskurvensätze beispielhaft und schematisch dargestellt. Das konkrete Beispiel für den Multiprozesskurvensatz 2 zeigt für die unterschiedlichen Bedruckstoffsorten "HD ISO Papiertypen 1+2 (gestrichen)" und "HD ISO Papiertypen 4+5 (ungestrichen)" jeweils eine Regel. Dabei werden den unterschiedlichen Bedruckstoffsorten die passenden Prozesskurvensätze für gestrichene und ungestrichene Bedruckstoffe zugeordnet.
Über den Namen des Multiprozesskurvensatzes 2 kann man beide Prozesskurvensätze referenzieren.
Multiprozesskurvensätze in Kalibrierdatensätzen
Sofern Sie einen Multiprozesskurvensatz definiert haben, steht Ihnen dieser beim Anlegen eines neuen Kalibrierdatensatzes zur Verfügung, und zwar in der Auswahlliste der Prozesskurvensätze, siehe auch Abschnitt "Kalibrierdatensatz neu erzeugen (Prozesskalibrierung)". Hier wählen Sie ggf. für einen Kalibrierdatensatz einen Multiprozesskurvensatz aus.
Sie können für verschiedene Kalibrierdatensätze den gleichen Multiprozesskurvensatz auswählen. Über seinen Namen können alle in ihm enthaltenen Prozesskurvensätze bei der Auftragsbearbeitung referenziert werden (vorausgesetzt, in der ImpositionOutput-Sequenz wird der gleiche Multiprozesskurvensatz gewählt, siehe auch Abschnitt "Multiprozesskurvensatz in der ImpositionOutput-Sequenz").
Beispiel: Sie definieren in einem Kalibrierdatensatz die Bedruckstoffsorte "HD ISO Papiertypen 1+2 (gestrichen)" und in einem anderen die Bedruckstoffsorte "HD ISO Papiertypen 4+5 (ungestrichen)". Für beide Kalibrierdatensätze können Sie denselben vordefinierten Multiprozesskurvensatz "HD ISO 60" auswählen.
Im ersten Kalibrierdatensatz wird der Prozesskurvensatz "HD ISO 60 Papiertypen 1+2" für die Kalibrierung verwendet. Im zweiten Kalibrierdatensatz entsprechend der Prozesskurvensatz "HD ISO 60 Papiertypen 4+5".
Nachfolgendes Bild zeigt dieses Beispiel schematisch:
Generischer Multiprozesskurvensatz
Ein besonderer Multiprozesskurvensatz ist der sogenannte generische Multiprozesskurvensatz "HD Generic".
Im Gegensatz zu einem klassischen Multiprozesskurvensatz enthält der generische Multiprozesskurvensatz keine Regeln.
Wird bei der Anlage eines Kalibrierdatensatzes die Option „Verwende generischen Multiprozesskurvensatz“ angewählt, so erfolgt die Auswahl des Prozesskurvensatzes (d. h. der Zielkurven) explizit und nicht regelbasiert. D. h. der vom Kalibrierdatensatz zu verwendende Prozesskurvensatz wird mittels der Auswahlliste "Prozesskurvensatz" im Dialog "Neu" unmittelbar festgelegt.
Datensätze, die den generischen Multiprozesskurvensatz verwenden, können zu jeder Zeit mit beliebigen Prozesskurvensätzen erzeugt werden. Dies gilt auch dann, wenn es schon andere Datensätze gibt, die den generischen Multiprozesskurvensatz verwenden.
In diesem Sinne bietet der generische Multiprozesskurvensatz eine größere Flexibilität als ein klassischer Multiprozesskurvensatz. Wird ein klassischer Multiprozesskurvensatz in einem Datensatz verwendet, so können seine Regeln nicht mehr abgeändert werden. Insbesondere das Hinzufügen von Regeln, die weitere Prozesskurvensätze referenzieren, ist nicht möglich. Diese Beschränkung auf eine vorher festgelegte Menge von Prozesskurvensätzen gibt es beim generischen Multiprozesskurvensatz nicht.
Hinweis: Kalibrierdatensätze, die "HD Generic" verwenden, können nicht in älteren Versionen des Calibration Managers, die den generischen Multiprozesskurvensatz nicht unterstützen, importiert werden. Entsprechendes gilt für Kalibriergruppen, die Kalibrierdatensätze enthalten, die "HD Generic" verwenden.
Multiprozesskurvensatz in der ImpositionOutput-Sequenz
Wie kann man Multiprozesskurvensätze für die Kalibrierung im Prinect Cockpit auswählen?
1. Öffnen Sie die ImpositionOutput-Sequenz.
2. Wählen Sie die Kalibrierregel "Übereinstimmung, sonst Abbruch".
Danach stehen für die Auswahl eines Prozesskurvensatzes zusätzlich die ggf. vorhandenen Multiprozesskurvensätze inklusive "HD Generic" zur Verfügung.
Durch den Einsatz von klassischen Multiprozesskurvensätzen ist es während der Auftragsbearbeitung möglich, anhand der Parameter Raster, Frequenz/Punktgröße, und Bedruckstoffsorte automatisch den passenden Prozesskurvensatz zu verwenden.
Wird der generische Multiprozesskurvensatz "HD Generic" ausgewählt, so werden nur Kalibrierdatensätze verwendet, die für die Verwendung des generischen Multiprozesskurvensatzes erzeugt worden sind.